Dienstag, 17. September 2013

Elkes Enthüllungsstory

Weshalb John Bon Jovi in Wirklichkeit Joey Kelly ist und wie es dazu kam

Bon Jovi und Joey Kelly sind der Gleiche. Ich weiß das, weil er Deutsch spricht und auch Englisch. Warum der noch zwei Namen benutzt, habe ich noch nicht herausgefunden. Vielleicht ist es ja nur ein Deckname, aber welcher von den beiden? Einer muss ja richtig sein. Oder er heißt in Wirklichkeit Ben Joey, und dann hat er da Bon Jovi draus gemacht. Wir haben ja früher viel gemacht miteinander, spazieren gegangen, Iglu gebaut. Da war er noch Joey Kelly, das war in Oberjoch. Doch das ist schon viele Jahre her. Dann hat er mir gesagt, dass er gerne in dieser Gruppe arbeiten würde. Dann hat er wohl den Namen geändert und das gemacht. Sonst hätten die den nie aufgenommen und er hätte nicht mitsingen dürfen. Es ist schon gut, dass die den damals aufgenommen haben. Denn Joey hat damals in einem Striptease-Lokal gearbeitet, die ganzen Jahre über. Und hat sich immer ausgezogen. Ich will mal mit ihm sprechen, dass ich das interessant finde. Ich habe damals ja noch nicht gearbeitet, wegen der Herz-OP. Deshalb habe ich ihn auch nie beim Strippen gesehen. Mein armes Herz hätte das nicht ausgehalten, heute schon eher! Bon Jovi habe ich zuletzt auf dem Konzert gesehen, konnte aber nicht mit ihm sprechen, weil die danach gleich weg waren. Uwe aus Mönchengladbach mag den Bon Jovi nicht. Da gab es Reibereien, es kann aber sein, dass er eifersüchtig ist. Der war bei mir in der Gruppe und hat gesagt, dass er der Ober-Zivi ist. Und er hat das Portemonnaie der Erzieherin aus dem Fenster geworfen. Und da hat Uwe das Kind totgetrampelt, das von dem anderen, und hat gesagt: „Ich bin ja auch Neonazi!“ Aber den mag ja auch so keiner. Dann hat der wohl eine Ohrfeige gekriegt von seinem Vater. Joey hatte ja ein Schiff, das hat vor Deutschland geankert. Mit seiner ganzen Familie hat der da gewohnt. Heute wohnt der irgendwo anders. Als John. Wie der das macht, wenn der als Joey auftritt, weiß ich auch noch nicht. Aber ich finde noch heraus, wie das mit der Maskerade funktioniert. Dann war da noch die Geschichte mit dem dicken großen Bus. Mit dem ist der mal gekommen, als ich in Vollnarkose lag. Da konnte der auch nicht mit mir reden. Die OP hat zehn Stunden gedauert. Und der lag neben mir. Als ich wachgeworden bin, habe ich die gefragt, ob er da war. Und die haben „Ja!“ gesagt.
Soweit so gut. Das war der erste Teil der Enthüllungsgeschichte. Bald gibt‘s mehr Infos und Einblicke in das Doppelleben von Bon Jovi/Joey Kelly.

Michaels TV-Tipp 2

Die Simpsons

Ich schaue gerne die Simpsons auf ProSieben. Und das schon lange. Zum Glück werden die Folgen alle übersetzt, sonst würde man ja nur Bahnhof verstehen. Ich finde Bart am besten, der gibt ja gerne Widerworte, Homer baut nur Unfug. Zum Glück sind die Menschen nicht so wie die. Die haben ja auch nur vier Finger und sind gelb. Aber oft sind sie wie wir und wenn man das sieht, kann man sich was merken, wie man es nicht machen soll. Sie sind fast so lustig wie Mr. Bean. Früher habe ich auch gerne Biene Maja und Pumuckl geschaut, aber heute nicht mehr. Heute lieber Simpsons. Und das sollten Sie auch mal tun.

Elkes Tipps

Der Umgang mit Referendarpraktikanten oder „Ich habe mich mal informiert …“

„… was man machen darf und was nicht. Und zwar bei Referendarpraktikanten. Was man mit mir machen kann ist das Spiel des Wissens und mit dem Schminkkasten, den ich habe. Auch kochen und backen. Was man nicht machen darf: über verschiedene Dinge reden, die nicht in Ordnung sind. Zum Beispiel über den Tod, da habe ich Angst vor. Macht ein ungutes Gefühl. Das spürst du zwar nicht, aber es ist ein komisches Gefühl. Und das brauche ich nicht! Und wenn ein Referendarpraktikant darüber redet, sage ich: So geht das aber nicht. Da müssen Sie mit meiner Mutter reden. Ich will lieber über schöne Dinge reden.“

Montag, 9. September 2013

Supermarkt-Check in Birgden

Birgden. Vor kurzer Zeit eröffnete hier ein Supermarkt, welcher einer der größten Filialketten Deutschlands angehört. Elkes Interesse war nun sofort geweckt und sie machte sich auf den Weg den neuen Supermarkt zu erkunden. Dabei ließ sie die Frage nicht los, was denn mit den Pfandflaschen geschehe. Auf der Suche nach einer Antwort betrachtete Elke auch die Mitarbeiterinnen des Marktes kritisch.
Automatisch öffnende Türen, ebenerdiger Boden und breite Gänge - diese Dinge sind heutzutage üblich geworden und wir schenken ihnen kaum Beachtung, aber für Rollstuhlfahrer sind sie ein Segen. So können sie nahezu problemlos und bequem einkaufen.
Diese Eigenschaften kann das neue Warenhaus in Birgden vorweisen und bekommt deshalb von Elke einen erhobenen Daumen. „Alles super hier, sehr viel Platz!“, sagt Elke.
Als nächstes fällt ihr achtsamer Blick auf die Regale, in denen die Waren ausgestellt werden.
„Sie sind nicht zu hoch und man kann alles gut erreichen“, kommentiert  Elke. Rollstuhlfahrer könnten hier allerdings ein Problem bekommen, da sie das oberste Fach nicht erreichen können. Auf die Nachfrage hin was die Mitarbeiter in diesem Fall tun, erklärte die Filialleiterin: „Wir helfen dann natürlich sofort, man muss uns einfach nur fragen.“
Da Elke nun einmal mit der Leiterin der Filiale spricht, ergreift sie die Initiative um nachzuforschen was denn genau mit den Pfandflaschen geschieht, die in den Automaten geworfen werden.
„Die Flaschen werden zerschreddert und drei Mal in der Woche von einem Lkw abgeholt, der sie zum Lager bringt, wo sie wiederverwertet werden.“
Elkes Wissbegierde ist geweckt, aber mehr Informationen kann uns hier niemand mehr geben, was äußerst enttäuschend ist, da man von einer Filialleiterin mehr erhoffen dürfte.
Zu guter Letzt befragt sie noch einige Kunden zu dem Thema „Pfandflaschen“. „Es ist gut, dass man Pfandflaschen wiederverwerten kann“, erklärte eine Kundin. Diese Meinung teilen die meisten anderen Besucher des Marktes auch. Ein Herr war jedoch anderer Ansicht: „ Pfandflaschen sind sehr schlecht für die Umwelt, man sollte lieber zu Glasflaschen greifen, die sind besser.“
Am Ende des Besuches des neuen Supermarktes sagt Elke: „Das ist richtig cool hier!“ Somit hat der Markt Elkes kritische Nachforschung bestanden.
Die Frage nach den Pfandflaschen ist jedoch noch nicht zur Gänze geklärt und Elke wird so lange recherchieren, bis sie eine zufriedenstellende Antwort gefunden hat.
(leja)

Freitag, 23. August 2013

Besuch beim Künstlertreff Eesdron



Im Künstlertreff Eesdron in Hückelhoven Millich empfing Rosi Trampert ungewöhnlichen Besuch. Die Schreibgruppe „Ein Kessel Buntes“ hatte sich für einen Ausflug in die Welt der Kunst angesagt. Dabei handelt es sich um eine Schreibgruppe aus Menschen mit und ohne Behinderung, die sich regelmäßig samstags in der Birgdener Wohnstätte der Lebenshilfe Heinsberg trifft. Und der Ausflug wurde zu einer wirklich interessanten Reise in die eindeutig zweideutige Welt der Kreativität. Denn in der Galerie Eesdron gibt es eine Menge zu entdecken. Noch interessanter wird die Entdeckungsreise, wenn man die Kunstwerke auch anfassen darf und zusätzlich kompetente Erläuterungen durch die Betreiberin bekommt. Auch für die war der Besuch eine interessante Erfahrung, denn die Gruppe brachte natürlich auch eine teilweise sehr eigene Sichtweise zum Thema Kunst mit, über die es sich zu diskutieren lohnte. Zu sehen bekamen die Besucher neben den Werken des 2008 verstorbenen Künstlers Hans-Peter Trampert auch Arbeiten der Aachener Künstlerin Mallo Wünschmann, die sich der Herstellung natürlicher Farben und Materialien verschrieben hat, aus denen sie ihre Werke herstellt. Das animierte natürlich zum Begreifen mit den Fingern. Und dazu ermutigte die Galeristin auch. Was sonst in Kunstgalerien undenkbar wäre, ist in Millich im Künstlertreff ausdrücklich erwünscht. Und so nahmen die Besucher die Kunst im wahrsten Sinne in Besitz, zum Beispiel die sich drehende hölzerne Sitzbank „Yin und Yan“ des Erkelenzer Künstlers Gerd Blum, auf der sich zwei Menschen vis-a-vis gegenüber sitzen. Im Dialog wurde schnell klar, dass die Besucher eine teilweise sehr eigene Interpretation der Bilder und Skulpturen hatten, über die sie mit Trampert diskutierten. In der Galeristin fanden sie eine geduldige und kompetente Zuhörerin, die sich auch auf die Gedankengänge einließ und sie sehr ernst nahm. Da wurden Tiere, ganze Szenen und andere Darstellungen in den an sich eher abstrakten Bildern gefunden, die man so nicht erwartet hätte. „Es ist interessant, die Werke auch mal durch diese spezielle Brille zu sehen“, erklärte Trampert und wusste immer wieder durch neue Exponate die Fantasie ihrer Gäste zu beflügeln. Denn ein „falsch“ oder „richtig“ gibt es in der Kunst nicht, und das war für die Besucher wichtig. So konnten sie ihre Gedanken mitteilen und fließen lassen. Besonders hilfreich war, dass Trampert zu fast jedem der Exponate eine kleine Geschichte erzählen konnte, die den Besuchern die Arbeit noch näher brachte. Schnell entwickelten sich Diskussionen, die man so in Galerien nicht oft hört.
Dass dabei Kekse und Kuchen gereicht werden, gehört in der Galerie Eesdron schon zum guten Ton und ist Beleg der Herzlichkeit, mit der die Besucher empfangen werden. Vollends gewonnen hatte Trampert, als sie jedem der Besucher zum Abschied noch ein kleines Kunstwerk ihres Mannes mitgab, das wiederum zum Nachdenken und Träumen anregt. 
Die Gruppe „Ein Kessel Buntes“ aus Menschen mit Behinderung sowie ihren Schreibassistenten besteht seit einigen Monaten und erarbeitet Artikel und Themen für einen eigenen Internet-Blog und die Publikationen der Lebenshilfe Heinsberg. Man trifft sich regelmäßig samstags in der Birgdener Wohnstätte, wo bei Cappuccino und Kaffee die Artikel entstehen. Neben der redaktionellen Arbeit stehen aber auch Ausflüge auf dem Programm.
(hewi)


Ying & Yang

Montag, 19. August 2013

Wilfried schafft was weg!



Wir stehen mitten im Matsch und warten auf Wilfried. Auf einmal brummt hinter dem kleinen Hügel ein wütender Bär. Wir drehen uns um. Doch es ist kein Bär! Es ist Wilfried Leichsenring. Der sitzt am Steuer eines großen gelben Monsters, das brummt und knurrt. Das EKB-Team hat Wilfried bei der Arbeit besucht. EKB steht für „Ein Kessel Buntes“. Mit dabei waren Elke, Friedhelm (die Busenschnecke), Michael und Helmut von der Redaktion. Und Michael Kleinen von der Lebenshilfe. Der hat uns gefahren und die Fotos gemacht.

Im Recycling-Zentrum Frauenrath gibt es immer genug zu tun. Hier landet alles, was wir nicht mehr brauchen. Papier, Gartenabfall, sogar ganze Häuser und Straßen. Die sind dann aber schon auseinander genommen. Trotzdem muss da jeden Tag ein großer Haufen abgeladen, aufgeladen und weggebracht und wieder abgeladen werden. Außerdem wird da, wo Wilfried arbeitet, auch Beton gemischt. Der wird mit großen Lastwagen abgeholt. Da muss man schon ordentlich anpacken, wenn man da arbeitet. Einer der fleißigen Helfer vor Ort ist Wilfried Leichsenring. Wilfried wohnt in der Wohnstätte Kirchhoven und ist Mitglied der EKB-Redaktion. Früher hat er auch in den Behindertenwerkstätten in Oberbruch gearbeitet. Doch dann wollte er endlich „etwas anderes“ tun. Und er bewarb sich bei der Firma Frauenrath. Die betreibt nämlich das Recycling-Zentrum in Heinsberg.
Hans Marx ist Wilfrieds Chef. Er sagt:
„Wilfried ist einer von uns. Er leistet ganze Arbeit. Auf ihn kann ich mich verlassen.“ Seit vier Jahren arbeitet Wilfried in Heinsberg. Morgens fängt er um sieben Uhr an, bei jedem Wetter. Den Weg zur Arbeit legt er mit dem Rad zurück, auch bei jedem Wetter. „Ich arbeite gerne an der frischen Luft“, erklärt er. Und das hat er drauf. Wilfried weiß, was er tut und wie er es zu tun hat. Er hat ein Funkgerät und kann von überall aus mit seinem Chef im Büro reden.
Elke und ihre Busenschnecke haben sich erst einmal umgeschaut. Elke will immer alles über das Thema Abfall wissen. Also hat Wilfried uns gezeigt, wo die Sachen hingebracht werden. Das meiste kann man später noch einmal gebrauchen. Friedhelm die Schnecke hat den großen gelben Radlader, den Wilfried fährt, genau untersucht. Michael hat große Augen gemacht, als Wilfried mit dem großen Radlader losgefahren ist.
Wilfried kümmert sich nicht nur um Annahme von Abfällen. Er stellt auch riesengroße Steine aus Beton her, die aussehen wie Legosteine. Man kann mit ihnen auch bauen wie mit Legosteinen – nur größer.
Herr Marx sagte, dass Wilfried heute viel selbständiger ist als früher. „Die Arbeit hier macht ihm Spaß und tut ihm gut“, sagt Herr Marx. Dann erzählte uns Herr Marx noch eine Menge über das Recycling-Zentrum. Wir waren ziemlich erstaunt, was da alles gemacht wird. Und mittendrin ist Wilfried und macht mit. Für den großen gelben Radlader hat er sogar einen eigenen Führerschein gemacht. Herr Marx und Wilfried glauben, dass viel mehr Behinderte so arbeiten können wie Wilfried. Nicht in der Behindertenwerkstatt sondern draußen in anderen Firmen. Das nennt man Inklusion.
Als wir zurückgefahren sind, hatten wir alle dreckige Füße. Nur Friedhelm nicht, der ist ja eine Schnecke und hat keine Füße. 
(hewi)





Friedhelm on tour


Rosis Traum


Jeder Mensch hat einen Traum, der ihn nicht in Ruhe lässt. Einige Menschen können diesen Traum verwirklichen. Anderen bleibt leider nur übrig weiter zu träumen.
Rosi hat einen Traum. Sie möchte einmal auf einem Leuchtturm stehen und den Wind spüren, der ihr Gesicht streichelt und weit hinaus schauen auf Land und Meer. Davon träumt sie oft. Auch von einer Windmühle aus würde sie gerne einmal ins Land schauen. Windmühlen sind fast so gut wie Leuchttürme. Doch wahrscheinlich wird es ein Traum bleiben, denn Leuchttürme haben normalerweise keinen Aufzug. Und den würde Rosi brauchen, denn das Gehen fällt ihr schwer. Wenn es ihr gut geht, reicht ein Rollator. Ab und zu muss es aber auch ein Rollstuhl sein. Wenn die Beine mal wieder nicht so mitmachen wie sie sollen. In ihrem Traum steht Rosi ganz oben auf der Empore des Turms und fühlt sich frei. Gerade so, als könnte sie fliegen.
 Rosi ist 60 und eigentlich zufrieden mit ihrem Leben. Sie fährt regelmäßig in Urlaub. Erst neulich war sie mit ihrer Betreuerin in der Türkei. Strand und Meer und gutes Essen, so kann man es sich auch in der Fremde gutgehen lassen. Gerne denkt sie an ihre Kindheit zurück, mit ihren vier Geschwistern in Walsum. Die hat sie mit versorgt, als die Mutter damals krank war. Da ging das noch, denn Rosi war körperlich viel fitter als heute. 1968 kam sie ins Heim, weil sie zu Hause nicht mehr die Pflege bekam, die sie brauchte. Seit 30 Jahren wohnt sie in der Wohngruppe Kirchhoven und hat dort auch ihren Freund Franz. Kennengelernt haben sich die beiden in Oberbruch in der Werkstatt. Seit einem Motorradunfall als junger Mann sitzt Franz im Rollstuhl. „Heute sind wir wie ein altes Ehepaar“, sagt Rosi. „Wahrscheinlich hat Gott gewollt, dass wir uns kennenlernen.“ Vielleicht will Gott ja auch, dass Rosi noch einmal auf ihren Leuchtturm kommt. Wir werden es sehen und auch darüber berichten …